
Die digitale Revolution ersetzt das traditionelle Handwerk nicht – sie vollendet es zu einer neuen Form der Meisterschaft, dem „Handwerk 4.0“.
- Technologien wie 3D-Scans und CAD ermöglichen eine nie dagewesene Präzision bei der Aufarbeitung von Erbstücken und individuellen Anpassungen.
- Künstliche Intelligenz und generative Algorithmen schaffen hyper-personalisierte Schmuckstücke, die auf einzigartigen persönlichen Daten basieren.
Empfehlung: Betrachten Sie Technologie nicht als Bedrohung für die Authentizität, sondern als das ultimative Werkzeug, um die emotionale Langlebigkeit und den persönlichen Wert von Schmuck und Mode zu maximieren.
Fast jeder kennt dieses Gefühl: das Gewicht eines Erbstücks in der Hand, ein Schmuckstück, das mehr ist als nur Metall und Stein – es ist eine Geschichte, eine Verbindung zu vergangenen Generationen. Lange schien die Welt der digitalen Innovation, mit ihrer kalten Logik von Code und Algorithmen, ein Gegenpol zu dieser warmen, emotionalen Welt des Handwerks zu sein. Viele befürchten, dass Technologie die Seele der Handwerkskunst aushöhlt und durch sterile, massenproduzierte Perfektion ersetzt. Man spricht über 3D-Druck, künstliche Intelligenz und virtuelle Anproben oft als das Ende der traditionellen Goldschmiedekunst.
Doch was, wenn diese Annahme grundlegend falsch ist? Was, wenn die wahre Revolution nicht im Ersatz, sondern in der Symbiose liegt? Die digitale Transformation ist kein Feind des Handwerks; sie ist sein mächtigster Verbündeter. Sie ermöglicht eine Präzision, eine Personalisierung und eine Geschwindigkeit, die es Kunsthandwerkern erlaubt, ihre Kreativität auf eine neue Ebene zu heben. Wir stehen an der Schwelle zum Handwerk 4.0, einer Ära, in der digitale Werkzeuge die traditionellen Techniken nicht verdrängen, sondern sie veredeln und zugänglicher machen. Diese Entwicklung verändert alles: von der Art, wie wir alte Schätze bewahren, bis hin zur Kreation völlig neuer, zutiefst persönlicher Designs.
Dieser Artikel wirft einen visionären Blick hinter die Kulissen dieser faszinierenden Verschmelzung. Wir werden analysieren, wie digitale Werkzeuge die Restaurierung von Familienerbstücken revolutionieren, wie Sie den perfekten Goldton mithilfe von KI finden, und wie neue Technologien die Grenzen dessen verschieben, was in der Schmuckherstellung und im ethischen Konsum überhaupt möglich ist. Es ist eine Reise in die Zukunft des Stils, die tiefer in der Tradition verwurzelt ist, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Inhaltsverzeichnis: Die digitale Neudefinition von modernem Schmuck
- Altes Gold, neuer Glanz: Wie die Aufarbeitung von Erbstücken funktioniert
- Weissgold, Rotgold, Gelbgold: Welcher Goldton passt am besten zu Ihrem Hauttyp?
- Zu gross, zu klein, zu eng: Wie ein Goldschmied Ihren Lieblingsschmuck anpassen kann
- Die richtige Pflege: Wie Sie Ihren Goldschmuck reinigen, damit er ewig glänzt
- Jenseits der Uhr: Der moderne Leitfaden für Goldschmuck für Männer
- 3D-Druck und Co.: Wie neue Technologien die Schmuckherstellung revolutionieren
- Social Shopping und Livestreams: Wie soziale Medien das Mode-Shopping verändern
- Fair Fashion: Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen ethischer Produktionsweisen
Altes Gold, neuer Glanz: Wie die Aufarbeitung von Erbstücken funktioniert
Die Idee, alten Schmuck wiederzuverwenden, ist tief in der Kultur verankert und heute relevanter denn je. Es geht nicht nur um Nachhaltigkeit, sondern um die Bewahrung emotionaler Werte. Interessanterweise stammen laut aktuellen Daten zum Goldrecycling bereits 20 % des globalen Goldangebots aus wiederverwerteten Quellen, wovon der Löwenanteil von 90 % aus altem Schmuck kommt. Doch die moderne Aufarbeitung geht weit über das simple Einschmelzen hinaus. Die digitale Technologie ermöglicht heute eine Form der Restaurierung, die das Original ehrt und gleichzeitig perfekt an den neuen Träger anpasst – eine digitale Veredelung.
Stellen Sie sich vor, der filigrane Verlobungsring Ihrer Urgrossmutter ist verbogen oder ein Stein hat sich gelockert. Traditionelle Reparaturen bergen immer das Risiko, die originale Substanz weiter zu beschädigen. Hier setzt das Handwerk 4.0 an und zeigt seine wahre Stärke in der Bewahrung.
Fallstudie: Digitale Archivierung in der Goldstadt Pforzheim
In Pforzheim, einem historischen Zentrum der deutschen Schmuckindustrie, nutzen Spezialisten wie MPS Rapid Prototyping hochpräzise 3D-Scanner, um Erbstücke mit einer Genauigkeit von 0,01 mm digital zu erfassen. Dieses digitale Abbild dient als exakte Vorlage für die Restaurierung. Ein fehlendes Zierelement kann so am Computer millimetergenau nachmodelliert und als Wachsmodell gedruckt werden, bevor es in Gold gegossen und nahtlos eingefügt wird. Das Originalstück wird dabei minimal beansprucht, und seine Geschichte bleibt für zukünftige Generationen digital archiviert und physisch erhalten.
Diese Methode des „digitalen Upcyclings“ transformiert die Restaurierung von einem riskanten Eingriff in einen präzisen, konservatorischen Akt. Sie ermöglicht es, die emotionale Langlebigkeit eines Stücks zu sichern, indem seine Form bewahrt und seine Tragbarkeit für die Zukunft wiederhergestellt wird. So wird aus einem alten Schatz ein lebendiges Stück Familiengeschichte.
Weissgold, Rotgold, Gelbgold: Welcher Goldton passt am besten zu Ihrem Hauttyp?
Die Wahl des richtigen Goldtons ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, die die gesamte Ausstrahlung eines Schmuckstücks beeinflusst. Traditionell verlässt man sich hier auf das eigene Auge oder die Beratung im Juweliergeschäft. Doch oft ist es schwierig zu bestimmen, ob der eigene Hautton eher kühl, warm oder neutral ist. Ein kühler Hautton hat oft bläuliche oder rosafarbene Untertöne und harmoniert wunderbar mit Weissgold oder Platin. Ein warmer Hautton weist gelbliche oder pfirsichfarbene Untertöne auf und wird durch klassisches Gelbgold zum Strahlen gebracht. Rotgold, mit seinem warmen Kupferanteil, steht vielen Hauttypen, schmeichelt aber besonders neutralen oder warmen Teints.
Die digitale Innovation bietet heute Werkzeuge, die diese traditionelle Farblehre objektivieren und personalisieren. Anstatt zu raten, können Sie nun datengestützte Entscheidungen treffen.

Wie die Visualisierung andeutet, ermöglichen Augmented-Reality-(AR)-Anwendungen eine virtuelle Anprobe direkt auf der eigenen Haut. Diese Technologie, die von führenden deutschen Juwelieren wie Wempe oder Christ bereits angeboten wird, projiziert Schmuckstücke digital auf Ihr Handgelenk oder Ihren Finger. So können Sie in Echtzeit und unter verschiedenen Lichtbedingungen sehen, welcher Goldton am besten mit Ihrer Haut harmoniert, ohne das Haus verlassen zu müssen. Dies minimiert Fehlkäufe und maximiert die Sicherheit bei der Wahl des perfekten Stücks.
Ihr digitaler Fahrplan zum perfekten Goldton
- Lichtverhältnisse optimieren: Fotografieren Sie Ihre Haut bei natürlichem Tageslicht, um eine unverfälschte Farbanalyse als Grundlage zu schaffen.
- KI-Analyse nutzen: Verwenden Sie KI-gestützte Farbanalyse-Apps, die einige deutsche Juweliere anbieten, für personalisierte Empfehlungen basierend auf Ihrem Hautunterton.
- Virtuell anprobieren: Testen Sie verschiedene Goldtöne direkt auf Ihrer Haut mit AR-Anwendungen von Anbietern wie Wempe oder Christ, um die reale Wirkung zu simulieren.
- Garderobe abgleichen: Berücksichtigen Sie Ihre bevorzugten Farbpaletten in Ihrer Kleidung; der Goldton sollte Ihr Gesamtbild ergänzen.
- Inspiration finden: Konsultieren Sie digitale Moodboards, die auf aktuellen Pantone-Trendfarben basieren, um moderne und harmonische Kombinationen zu entdecken.
Zu gross, zu klein, zu eng: Wie ein Goldschmied Ihren Lieblingsschmuck anpassen kann
Ein Schmuckstück, das nicht perfekt passt, bleibt oft in der Schatulle. Besonders bei Ringen ist die richtige Grösse entscheidend für den Tragekomfort und die Sicherheit. Die traditionelle Grössenanpassung durch einen Goldschmied ist eine bewährte Kunst, doch sie stösst bei komplexen Designs oder empfindlichen Materialien an ihre Grenzen. Eine Weitenänderung durch Stauchen oder Dehnen kann die Struktur schwächen. Die digitale Präzision bietet hier eine revolutionäre Alternative, die sowohl genauer als auch schonender für das Schmuckstück ist.
Die Zukunft der Anpassung liegt in der berührungslosen Erfassung und digitalen Modellierung. Anstatt den Finger mit Schablonen zu vermessen, werden heute hochpräzise 3D-Scans eingesetzt. Diese Technologie ist so weit fortgeschritten, dass sie sogar aus der Ferne funktioniert, wie der Experte Alexander Polaschek beschreibt:
Kunden können mit dem Smartphone ihren Finger oder ihr Handgelenk scannen, um ein präzises 3D-Modell an den Goldschmied zu senden.
– Alexander Polaschek
Dieses 3D-Modell dient dem Goldschmied als exakte digitale Vorlage. Am Computer (CAD) kann er die Grössenänderung simulieren und ein perfektes Passstück entwerfen – sei es ein kleines Segment, das in einen Ring eingesetzt wird, oder eine komplett neue Ringschiene, die exakt an die Form des Fingers angepasst ist. Der folgende Vergleich zeigt die Vorteile der digitalen Methoden gegenüber dem traditionellen Vorgehen.
| Methode | Genauigkeit | Zeitaufwand | Kosten |
|---|---|---|---|
| Traditionelle Handanpassung | ±0,5mm | 2-3 Wochen | 150-300€ |
| 3D-Scan & CAD | ±0,01mm | 3-5 Tage | 200-400€ |
| 3D-Prototyping | ±0,02mm | 1 Woche | 250-450€ |
Wie die von Formlabs präsentierten Daten zur Schmuckherstellung andeuten, bietet die digitale Anpassung eine um ein Vielfaches höhere Genauigkeit von bis zu ±0,01 mm und kann den Zeitaufwand drastisch reduzieren. Obwohl die anfänglichen Kosten höher sein können, rechtfertigt die Präzision, die Schonung des Materials und die perfekte Passform den Aufwand, besonders bei wertvollen oder emotional bedeutsamen Stücken.
Die richtige Pflege: Wie Sie Ihren Goldschmuck reinigen, damit er ewig glänzt
Goldschmuck ist für seine Langlebigkeit bekannt, doch um seinen Glanz über Jahrzehnte zu bewahren, bedarf es der richtigen Pflege. Schmutz, Kosmetika und sogar Hautfette können sich ablagern und das Edelmetall matt erscheinen lassen. Die klassische Reinigungsmethode – ein lauwarmes Wasserbad mit milder Seife und einer weichen Bürste – ist für einfachen, massiven Schmuck nach wie vor effektiv. Doch die moderne Schmuckgestaltung mit ihren komplexen, filigranen Strukturen und neuen Materialkombinationen erfordert fortschrittlichere Ansätze.
Insbesondere 3D-gedruckter Schmuck mit seinen Gitter- oder Hohlraumstrukturen stellt traditionelle Reinigungsmethoden vor eine Herausforderung. In den feinen Zwischenräumen können sich Feuchtigkeit und Reinigungsmittelreste festsetzen. Hier kommen professionelle Techniken wie die Ultraschallreinigung ins Spiel, die jedoch fachmännisch angewendet werden müssen.
Als Goldschmiedemeister in München arbeite ich seit 2020 mit 3D-gedrucktem Schmuck. Die neuen Oberflächen erfordern tatsächlich andere Pflegemethoden. Besonders bei filigranen Strukturen hat sich die Ultraschallreinigung bewährt, allerdings mit angepassten Frequenzen.
– Anonymer Goldschmiedemeister, zitiert auf Gold.de
Die Zukunft der Schmuckpflege wird jedoch noch einen Schritt weitergehen. Statt einer allgemeinen Anleitung erhält der Besitzer bald personalisierte, digitale Pflegehinweise. Forscher und innovative Marken entwickeln den digitalen Schmuck-Pass. Über einen winzigen, im Schmuckstück integrierten NFC-Chip oder einen QR-Code können alle relevanten Informationen – Materialzusammensetzung, Herkunft, und vor allem spezifische Pflegetipps – direkt auf das Smartphone des Trägers gesendet werden. Dies stellt sicher, dass jedes Stück genau die Behandlung erhält, die es benötigt, um seine Schönheit dauerhaft zu erhalten.
Jenseits der Uhr: Der moderne Leitfaden für Goldschmuck für Männer
Lange Zeit war die Armbanduhr das dominierende und oft einzige Schmuckstück für Männer. Doch diese Ära neigt sich dem Ende zu. Der moderne Mann entdeckt Schmuck als Ausdruck seiner Persönlichkeit, seines Stils und seiner Werte. Es geht nicht mehr um protzigen Status, sondern um subtile Eleganz, persönliche Bedeutung und technologische Raffinesse. Minimalistische Armbänder, Siegelringe mit modernem Twist oder dezente Ketten sind heute feste Bestandteile der Herrengarderobe. Die digitale Innovation spielt eine Schlüsselrolle in dieser Entwicklung, indem sie Personalisierung und Materialfusion auf ein neues Niveau hebt.
Die grösste Revolution findet im Bereich der Hyper-Personalisierung statt, die weit über eine einfache Gravur hinausgeht.
Fallstudie: Generatives Design „Made in Germany“
Deutsche Schmuckmanufakturen nutzen generative KI-Algorithmen, um absolut einzigartige Designs zu erschaffen. Aus persönlichen Daten wie einem wichtigen Datum, den GPS-Koordinaten eines besonderen Ortes oder sogar dem Klang einer Stimme generiert die Software eine einzigartige Form. Dieses digitale Unikat wird anschliessend mit CNC-Präzision aus Gold gefertigt und oft mit Hightech-Materialien wie Carbon oder Titan aus der Luft- und Raumfahrt kombiniert. Das Ergebnis ist ein Schmuckstück, das eine tief persönliche Geschichte erzählt und gleichzeitig die Ästhetik von „Made in Germany 4.0“ verkörpert.
Diese Fusion aus traditionellem Edelmetall und modernen Werkstoffen schafft eine neue Designsprache: maskulin, technisch und doch elegant. Der Kontrast zwischen dem warmen Glanz des Goldes und dem matten, leichten Carbon ist ein visuelles Statement.

Diese neuen Kreationen sind mehr als nur Zierde. Sie sind Symbole einer neuen Männlichkeit, die Tradition und Fortschritt, Stärke und Feingefühl vereint. Sie zeigen, dass Schmuck für Männer heute genauso vielschichtig und bedeutungsvoll sein kann wie für Frauen.
3D-Druck und Co.: Wie neue Technologien die Schmuckherstellung revolutionieren
Der Begriff „3D-Druck“ im Schmuckbereich ist oft missverständlich. Es wird nicht direkt flüssiges Gold gedruckt. Stattdessen revolutioniert die Technologie den ersten und wichtigsten Schritt des traditionellen Gussverfahrens: die Modellerstellung. Anstatt ein Wachsmodell mühsam von Hand zu schnitzen, druckt ein hochauflösender 3D-Drucker das am Computer (CAD) entworfene Design in speziellem, ausbrennbarem Kunstharz oder Wachs. Dieses perfekte Modell wird dann, ganz traditionell, in Gips eingebettet, ausgeschmolzen und mit flüssigem Gold ausgegossen. Der 3D-Druck liefert also die perfekte Vorlage für ein altes Handwerk.
Der wahre Paradigmenwechsel liegt in der Geschwindigkeit und der Möglichkeit zur On-Demand-Fertigung. Komplexe, individualisierte Stücke, deren manuelle Erstellung Wochen dauern würde, können nun in Stunden als Modell gedruckt werden. Dies reduziert nicht nur die Produktionszeit drastisch, sondern ermöglicht auch ein nachhaltigeres Geschäftsmodell: Schmuck wird erst dann produziert, wenn er bestellt wird. Das eliminiert Überproduktion und Lagerkosten. Die Vision einer „Just-in-Time“-Schmuckherstellung ist bereits Realität, wie Charles-Olivier Roy, Gründer von Vowsmith, erklärt.
Mit der heutigen Technologie ist es absolut machbar, morgens eine Ringbestellung zu erhalten, nachmittags zu drucken, am nächsten Tag zu giessen und am übernächsten Tag zu versenden – 72 Stunden von Bestellung bis Lieferung.
– Charles-Olivier Roy, Gründer von Vowsmith
Diese Geschwindigkeit, kombiniert mit der Fähigkeit, jedes Stück zu personalisieren, ist die Grundlage für neue, agile Geschäftsmodelle. Kleine Manufakturen können so mit grossen Marken konkurrieren, indem sie einzigartige, auf den Kunden zugeschnittene Produkte in Rekordzeit liefern. Es ist die Demokratisierung des Designs, angetrieben durch digitale Präzision und handwerkliche Vollendung.
Social Shopping und Livestreams: Wie soziale Medien das Mode-Shopping verändern
Die Digitalisierung hat nicht nur die Herstellung, sondern auch den Weg des Schmucks zum Kunden fundamental verändert. Der klassische Schaufensterbummel wird zunehmend durch das Scrollen durch Instagram-Feeds, TikTok-Videos und Pinterest-Boards ersetzt. Soziale Medien sind nicht mehr nur Inspirationsquellen, sie sind zu direkten Verkaufsplattformen geworden. Dieses Phänomen, bekannt als Social Commerce, verschmilzt die Grenzen zwischen Inhalt, Community und Einkaufserlebnis. Der Erfolg ist messbar: der deutsche Online-Schmuckmarkt allein repräsentiert ein Volumen von 1,15 Milliarden Euro, was bereits 21,5 % des Gesamtmarktes ausmacht – ein Anteil, der massgeblich durch soziale Medien getrieben wird.
Eine besonders wirkungsvolle Form des Social Commerce sind Livestreams. Goldschmiede und Designer öffnen die Türen ihrer Werkstätten digital und nehmen ihre Follower live mit in den kreativen Prozess. Sie zeigen, wie ein Ring geschmiedet, ein Stein gefasst oder ein Guss vorbereitet wird. Diese Transparenz schafft eine unmittelbare emotionale Verbindung und Authentizität, die ein Hochglanzfoto niemals vermitteln kann. Kunden können während des Livestreams Fragen stellen, Wünsche äussern und das fertige Stück direkt kaufen.
Fallstudie: Videostrategie im deutschen Modehandel
Der deutsche Modehändler Walbusch demonstrierte eindrucksvoll die Macht von Video-Marketing. Durch den Einsatz gezielter Kampagnen auf YouTube während der Handball-EM konnte das Unternehmen seine Reichweite massiv steigern und Millionen neuer Zuschauer erreichen. Die Strategie zeigte, wie flexible, ereignisgesteuerte Videoinhalte eine Marke einem breiten, aber relevanten Publikum präsentieren und direktes Engagement fördern können – ein Prinzip, das sich perfekt auf Livestream-Verkäufe von Schmuckmanufakturen übertragen lässt.
Diese Entwicklung stellt eine Demokratisierung des Marktes dar. Kleine, unabhängige Manufakturen können durch eine authentische Social-Media-Präsenz eine loyale Community aufbauen und direkt mit Kunden auf der ganzen Welt interagieren, ohne auf teure Ladenflächen oder traditionelle Zwischenhändler angewiesen zu sein. Der Kauf wird so von einer reinen Transaktion zu einem Teil einer gemeinsamen Geschichte.
Das Wichtigste in Kürze
- Handwerk 4.0: Digitale Technologien wie 3D-Druck und KI ersetzen das Handwerk nicht, sondern heben Präzision, Personalisierung und emotionale Bindung auf ein neues Niveau.
- Hyper-Personalisierung ist der neue Luxus: Von der virtuellen Anprobe bis zu generativen Designs, die auf persönlichen Daten basieren – Technologie ermöglicht einzigartige und bedeutungsvolle Stücke.
- Nachhaltigkeit durch Technologie: On-Demand-Produktion und die präzise Aufarbeitung von Erbstücken reduzieren Abfall und fördern eine Kreislaufwirtschaft, die durch die hohe Recyclingquote von Gold in Deutschland gestützt wird.
Fair Fashion: Ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen ethischer Produktionsweisen
Im Zeitalter der digitalen Transparenz rückt die Frage nach der Herkunft und den Produktionsbedingungen von Mode und Schmuck immer stärker in den Fokus. Konsumenten wollen nicht nur ein schönes Produkt, sondern auch ein gutes Gewissen. Der Begriff „Fair Fashion“ umfasst dabei soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und Tierschutz. Im Schmuckbereich konzentriert sich die Debatte vor allem auf die Herkunft von Gold und Edelsteinen. Der Abbau von Frischgold ist oft mit verheerenden Umweltauswirkungen und menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen verbunden.
Hier spielt die Technologie eine doppelte Rolle. Einerseits ermöglicht sie eine bessere Nachverfolgbarkeit durch Technologien wie die Blockchain, die den Weg eines Materials von der Mine bis zum fertigen Stück fälschungssicher dokumentieren kann. Andererseits fördert sie die wichtigste Alternative zum Minengold: das Recycling. Die Aufarbeitung von Altgold, wie sie durch digitale Scan- und Restaurierungstechniken perfektioniert wird, ist der Eckpfeiler einer ethischen Kreislaufwirtschaft. Deutschland ist hier bereits ein Vorreiter, denn überwältigende 98 % des in Deutschland produzierten Goldes stammen aus Recyclingquellen.
Recyceltes Gold ist qualitativ identisch mit Minengold – Gold ist ein Element und verliert seine Eigenschaften nicht. Seine Wiederverwendung vermeidet jedoch die ökologischen und sozialen Kosten des Neuabbaus. Es ist die ultimative Form der Nachhaltigkeit. Doch trotz dieser positiven Entwicklung bleibt eine Herausforderung, wie Desiree Binternagel, Geschäftsführerin von Fairever, betont:
Insbesondere im Bereich Gold, wo die Menschenrechts- und Umweltprobleme nachweislich gravierend sind, braucht es dringend verbindliche Standards.
– Desiree Binternagel, Geschäftsführerin von Fairever
Die digitale Innovation ist somit kein Allheilmittel, aber sie ist das entscheidende Werkzeug, um eine ethischere und transparentere Mode- und Schmuckindustrie zu gestalten. Sie gibt uns die Mittel an die Hand, um bewusste Entscheidungen zu treffen – von der Wahl recycelter Materialien bis hin zur Unterstützung von Marken, die ihre Lieferketten offenlegen.
Die Zukunft des Stils liegt in der informierten Entscheidung. Indem Sie Marken unterstützen, die Technologie für mehr Transparenz, Personalisierung und Nachhaltigkeit einsetzen, werden Sie selbst zum aktiven Gestalter einer faireren und schöneren Modewelt.
Häufige Fragen zur Schmuckpflege im digitalen Zeitalter
Wie pflege ich 3D-gedruckten Goldschmuck mit komplexen Strukturen?
3D-gedruckter Schmuck mit Gitterstrukturen benötigt sanfte Reinigung mit weichen Bürsten und mildem Spülmittel. Die komplexen Hohlräume sollten mit Druckluft getrocknet werden, um Wasserflecken zu vermeiden.
Welche professionellen Hightech-Reinigungsmethoden gibt es?
Deutsche Restaurationslabore in Idar-Oberstein bieten Plasma- und Laserreinigung für besonders wertvolle Stücke an. Diese Methoden entfernen Verschmutzungen ohne mechanische Einwirkung.
Was ist ein digitaler Schmuck-Pass?
Ein digitaler Pass via NFC-Chip oder QR-Code speichert Informationen zur Echtheit, personalisierte Pflegetipps und Service-Erinnerungen, die direkt aufs Smartphone gesendet werden.