Veröffentlicht am Juli 16, 2024

Blockchain ist mehr als Technologie; sie ist eine moralische Entscheidung, die den wahren Wert von Gold neu definiert und uns von passiven Käufern zu aktiven Wächtern macht.

  • Sie schafft einen unveränderlichen, fälschungssicheren Herkunftsnachweis – eine digitale Geburtsurkunde für jedes Gramm Gold.
  • Sie ist eine mächtige Waffe im Kampf gegen Konfliktgold und Kinderarbeit, indem sie Lieferketten transparent macht.
  • Ein garantierter ethischer Ursprung steigert nicht nur den emotionalen, sondern auch den materiellen Wiederverkaufswert Ihres Goldes.

Empfehlung: Fordern Sie bei jedem Kauf einen lückenlosen digitalen Herkunftsnachweis. Akzeptieren Sie keine vagen Versprechen, sondern verlangen Sie die unveränderliche Wahrheit der Blockchain.

Ein Schmuckstück. Ein Goldbarren. Objekte von zeitloser Schönheit und beständigem Wert. Doch hinter dem warmen Glanz verbirgt sich oft eine Geschichte, die niemand erzählen will. Eine Geschichte von ausgebeuteten Minen, von Kinderarbeit, von Konflikten, die mit dem Erlös finanziert werden. Seit Jahren versucht die Industrie, dieses schmutzige Geheimnis mit Papier-Zertifikaten und vagen Versprechen von „ethischer Beschaffung“ zu übertünchen. Doch diese Dokumente sind oft nur so wertvoll wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind – fälschbar, undurchsichtig und selten in der Lage, die wahre Herkunft lückenlos zu beweisen.

Wir haben uns zu lange auf das blinde Vertrauen in eine Kette von Zwischenhändlern verlassen. Doch was, wenn die grundlegende Frage falsch gestellt ist? Was, wenn es nicht darum geht, einem Stück Papier zu vertrauen, sondern darum, eine Geschichte lückenlos zu verifizieren? Hier entsteht eine Revolution, angetrieben von einer Technologie, die ursprünglich für digitale Währungen entwickelt wurde: die Blockchain. Sie ist kein technisches Allheilmittel, sondern ein moralischer Kompass. Sie bietet die Möglichkeit, eine fälschungssichere, unveränderliche und für jeden einsehbare „digitale Geburtsurkunde“ für jedes einzelne Gramm Gold zu erstellen, von der Sekunde, in der es aus der Erde geholt wird, bis es in Ihrem Tresor oder an Ihrem Hals liegt.

Dieser Artikel ist ein Plädoyer. Ein Aufruf, die Macht, die in unseren Händen als Käufer liegt, zu erkennen und zu nutzen. Wir werden die dunklen Abgründe der Goldindustrie schonungslos aufdecken. Wir werden entmystifizieren, wie die Blockchain-Technologie als Waffe für Transparenz und Gerechtigkeit dient. Vor allem aber zeigen wir Ihnen, wie Sie selbst zu einem Wächter der goldenen Kette werden können – für ein Gold, dessen Glanz nicht nur von seiner Reinheit, sondern auch von seiner reinen Herkunft kommt.

Um die Tragweite dieser technologischen und ethischen Revolution vollständig zu erfassen, beleuchten wir die entscheidenden Aspekte Schritt für Schritt. Von den schockierenden Realitäten der Goldgewinnung über die Funktionsweise der digitalen Chronik bis hin zu den handfesten Vorteilen für Sie als bewussten Investor oder Schmuckliebhaber.

Konfliktgold und Kinderarbeit: Die dunkle Seite der Goldgewinnung, die oft verschwiegen wird

Hinter dem strahlenden Symbol für Reichtum und Liebe verbirgt sich eine brutale Realität. In vielen Teilen der Welt wird Gold unter Bedingungen abgebaut, die unser Gewissen erschüttern sollten. Bewaffnete Milizen im Kongo, in Venezuela oder im Sudan kontrollieren Minen und finanzieren mit dem Erlös ihre Gewaltherrschaft. Dieses Konfliktgold, auch Blutgold genannt, sickert in die globalen Lieferketten ein und landet am Ende, anonymisiert und unkenntlich gemacht, in den Auslagen unserer Juweliere. Die Anonymität des Rohstoffs ist der Nährboden für dieses Verbrechen. Ohne einen lückenlosen Herkunftsnachweis wird jeder Käufer unwissentlich zum potenziellen Mitfinanzierer von Gewalt.

Geteilte Landschaft zeigt Kontrast zwischen ethischer und konfliktbelasteter Goldgewinnung

Doch die moralische Katastrophe endet nicht bei den Konflikten. Wie Human Rights Watch unmissverständlich feststellt: „ Das Gold für den Schmuck, den wir in einem Geschäft bei uns kaufen, wurde möglicherweise in Ghana durch gefährliche Kinderarbeit abgebaut.“ Kinder, die mit giftigem Quecksilber hantieren, in instabile Stollen klettern und ihrer Zukunft beraubt werden, sind Teil dieser schmutzigen Kette. Das Problem ist so gravierend, dass sich laut Angaben der Deutschen Industrie- und Handelskammer immer mehr Unternehmen aus bestimmten Regionen zurückziehen, weil sie die Risiken nicht mehr managen können. Eine erschreckende Studie zeigt, dass sich 23 % der grossen deutschen Unternehmen allein 2023 aus Risikoländern zurückgezogen haben, anstatt die Probleme vor Ort zu lösen. Dies ist ein Eingeständnis des Scheiterns und zeigt, wie tief das Misstrauen in die traditionellen Lieferketten sitzt.

Die Lieferketten-Lüge: Woran Sie wirklich ethisch produziertes Gold erkennen

Jahrelang haben sich Unternehmen hinter vagen Versprechungen und bunten Broschüren versteckt. Begriffe wie „verantwortungsvolle Beschaffung“ oder „ethische Quellen“ wurden zu leeren Marketinghülsen, die dem Konsumenten ein gutes Gewissen verkaufen sollten, ohne echte Beweise zu liefern. Diese Ära des blinden Vertrauens geht zu Ende, nicht nur aus moralischem Druck, sondern auch durch handfeste Gesetzgebung. In Deutschland markiert das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) einen Wendepunkt. Es ist keine freiwillige Selbstverpflichtung mehr, sondern eine rechtliche Pflicht.

Die landläufige Annahme, dass nur riesige Konzerne betroffen sind, ist ein Trugschluss. Das Gesetz zwingt eine breite Masse an Unternehmen zum Handeln. Laut den aktuellen Bestimmungen ist diese Sorgfaltspflicht seit 2024 für alle Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern in Deutschland gesetzlich verankert. Das bedeutet, dass eine Vielzahl von Juwelierketten, Elektronikherstellern und Investmenthäusern nicht mehr wegschauen kann. Sie müssen die Risiken in ihrer Lieferkette aktiv identifizieren, Massnahmen ergreifen und darüber transparent Bericht erstatten. Das Papier-Zertifikat eines dubiosen Lieferanten reicht nicht mehr aus.

Die wahre Herkunft von Gold zu verschleiern, wird somit zu einem rechtlichen und finanziellen Risiko. Wie es treffend formuliert wurde, sind deutsche Unternehmen gesetzlich verpflichtet, Risiken wie Kinderarbeit in ihren Lieferketten zu identifizieren und zu minimieren. Dadurch wird eine Technologie wie die Blockchain von einem ‚Nice-to-have‘ zu einem entscheidenden Compliance-Instrument. Sie ist der einzige Weg, eine lückenlose, auditierbare und gerichtsfeste Dokumentation zu erstellen, die den Anforderungen des Gesetzgebers standhält. Ethisch produziertes Gold erkennen Sie also nicht mehr am schönsten Zertifikat, sondern an der härtesten Währung: dem unveränderlichen digitalen Beweis.

Die Wächter des Goldes: Welche NGOs die Gold-Lieferketten überwachen und wem Sie vertrauen können

Im Kampf für eine saubere Goldindustrie stehen Sie nicht allein da. Eine Reihe von engagierten Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Initiativen agieren als wachsame Augen und Ohren der globalen Gemeinschaft. Organisationen wie Human Rights Watch, Amnesty International oder spezialisierte Gruppen wie die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) leisten unschätzbare Arbeit. Sie recherchieren vor Ort, decken Missstände auf, üben politischen Druck aus und entwickeln Standards für den verantwortungsvollen Bergbau. Diese Organisationen sind oft die treibende Kraft, die Unternehmen und Regierungen zum Handeln zwingt.

NGO-Vertreter untersuchen digitale Lieferkettendaten auf holografischem Display

Wem können Sie also vertrauen? Vertrauen Sie denjenigen, die Transparenz nicht nur fordern, sondern auch leben. Ein glaubwürdiger Anbieter wird nicht nur eigene Versprechen abgeben, sondern sich von unabhängigen Dritten überprüfen lassen und aktiv mit kritischen NGOs zusammenarbeiten. Die fortschrittlichsten Unternehmen gehen noch einen Schritt weiter: Sie nutzen technologische Plattformen, um diesen Wächtern in Echtzeit Zugang zu ihren Lieferkettendaten zu gewähren. Dies verwandelt die Überwachung von einer reaktiven Untersuchung nach einem Skandal in eine proaktive, kontinuierliche Kontrolle. Als Käufer haben auch Sie eine aktive Rolle. Sie sind nicht nur Konsument, sondern ebenfalls ein Wächter. Indem Sie gezielt nachfragen, Berichte anfordern und Anbieter wählen, die maximale Transparenz bieten, werden Sie Teil der Lösung.

Ihr Plan zur Überprüfung: Wie Sie ethische Goldanbieter identifizieren

  1. Gesetzeskonformität prüfen: Stellen Sie fest, ob der Anbieter aufgrund seiner Grösse (ab 1.000 Mitarbeiter in Deutschland) unter das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) fällt und somit zu Transparenz verpflichtet ist.
  2. Berichte anfordern: Fordern Sie den jährlichen, gesetzlich vorgeschriebenen Sorgfaltsbericht des Unternehmens an. Prüfen Sie, wie konkret die Risiken und Massnahmen beschrieben sind.
  3. Digitale Nachweise verlangen: Fragen Sie explizit nach Blockchain-Zertifikaten oder einem digitalen Produktpass. Ein Verweis auf eine Seriennummer allein ist unzureichend.
  4. Zertifizierungen hinterfragen: Achten Sie auf anerkannte Siegel wie Fairtrade Gold, Fairmined oder die Einhaltung der IRMA-Standards. Recherchieren Sie, was hinter dem Siegel steckt.
  5. Beschwerdewege nutzen: Machen Sie sich mit dem Beschwerdeverfahren des Unternehmens vertraut. Ein seriöser Anbieter hat einen klaren und zugänglichen Prozess für die Meldung von Verdachtsfällen.

Vom Minenbetreiber zum Tresor: Wie die Blockchain eine lückenlose Chronik Ihres Goldes erstellt

Wie genau funktioniert diese „magische“ Technologie in der Praxis? Vergessen Sie komplexen Code und Kryptografie. Stellen Sie sich die Blockchain als ein digitales, unzerstörbares Notizbuch vor, das von Tausenden von Menschen gleichzeitig geführt wird. Jeder neue Eintrag wird sofort an alle kopiert und kann nie wieder gelöscht oder verändert werden. Dieses Prinzip macht die Blockchain zur perfekten Technologie für eine lückenlose Chronik.

Der Prozess beginnt im Moment der Geburt des Goldes:

  1. Die Erfassung an der Quelle: Sobald ein Goldbarren in einer zertifizierten, ethisch einwandfreien Mine gegossen wird, erhält er eine einzigartige digitale Identität. Dies geschieht oft durch einen lasergravierten QR-Code, eine Seriennummer oder sogar eine Analyse seiner einzigartigen materiellen Zusammensetzung – sein „Fingerabdruck“.
  2. Der erste Eintrag: Diese Identität wird zusammen mit wichtigen Daten (Gewicht, Reinheit, Minenstandort, Datum) als erster „Block“ in die Blockchain eingetragen. Dieser Block ist die Geburtsurkunde des Goldes.
  3. Die Kette des Vertrauens: Bei jedem weiteren Schritt – dem Transport zum Schmelzer, der Verarbeitung zum Schmuckstück, der Lagerung im Tresor – wird ein neuer Block mit Zeitstempel und allen relevanten Informationen hinzugefügt. Jeder Block ist kryptografisch mit dem vorherigen verbunden und bildet so eine unzerbrechliche Kette (die Blockchain).

Das Ergebnis ist eine transparente, von jedem überprüfbare Historie. Ein einfacher Scan eines QR-Codes auf Ihrem Schmuckstück oder Barren kann Ihnen die gesamte Reise von der Mine bis zu Ihnen nach Hause offenlegen. Diese Transparenz treibt einen schnell wachsenden Markt an, wie aktuelle Marktdaten zum tokenisierten Gold zeigen. Der Markt für Gold-Token wächst rasant, da Investoren die Sicherheit und Transparenz schätzen. Diese Entwicklung ist ein starkes Signal, dass die Zukunft des Goldes digital und nachvollziehbar ist.

Makroaufnahme eines Goldbarrens mit lasergraviertem QR-Code und digitalen Lichtreflexionen

Anbieter wie Digix nutzen diese Technologie bereits konsequent. Wie die Börse OKX in einem Bericht erklärt: „Jeder DGX-Token repräsentiert ein Gramm Gold, das in sicheren Tresoren in Singapur und Kanada gelagert wird. Digix verwendet die Blockchain-Technologie, um die Rückverfolgbarkeit und Auditierbarkeit des Goldes zu garantieren, das jeden Token deckt.“ Es ist diese garantierte Nachvollziehbarkeit, die den wahren Wert schafft.

Zertifiziertes Gold, höherer Preis: Warum die lückenlose Rückverfolgbarkeit den Wiederverkaufswert Ihres Goldes steigert

Eine ethische Herkunft ist nicht nur eine Frage des Gewissens, sondern auch eine kluge finanzielle Entscheidung. Gold, dessen Geschichte lückenlos und positiv dokumentiert ist, ist mehr wert als anonymes Gold. Dieser Mehrwert, oft als „Ethik-Prämie“ bezeichnet, manifestiert sich auf mehreren Ebenen und macht Blockchain-zertifiziertes Gold zu einem überlegenen Investment. Der offensichtlichste Vorteil liegt im Wiederverkauf. Ein Käufer ist bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn er die absolute Sicherheit hat, kein Konfliktgold zu erwerben. Schätzungen gehen von einem möglichen Aufschlag von 5-15 % gegenüber dem reinen Marktpreis aus.

Ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von Regulierung, Transparenz und Wert ist das System von PAX Gold (PAXG). Im Jahr 2024 erreichte der Marktwert von PAXG einen Rekord von 983 Millionen US-Dollar. Jeder Token repräsentiert eine Unze physischen Goldes, das in hochsicheren Londoner Tresoren lagert. Das gesamte System wird von der strengen Finanzaufsicht des Staates New York (NYDFS) reguliert und monatlich von unabhängigen Prüfern auditiert. Diese Kombination aus physischer Deckung und staatlicher Aufsicht schafft ein Vertrauensniveau, das anonymes Gold niemals erreichen kann. Diese garantierte Authentizität beschleunigt und vereinfacht auch Prozesse wie die Abwicklung mit Versicherungen im Schadensfall oder die Vererbung, da der Eigentums- und Herkunftsnachweis digital und unbestreitbar ist.

Die folgende Tabelle verdeutlicht den fundamentalen Unterschied im Wert und in der Handhabung zwischen anonymem Anlagegold und Gold, dessen Geschichte durch die Blockchain gesichert ist.

Vergleich: Anonymes Anlagegold vs. Blockchain-zertifiziertes Gold
Eigenschaft Anonymes Anlagegold Blockchain-zertifiziertes Gold
Herkunftsnachweis Nicht vorhanden Lückenlos dokumentiert
Wiederverkaufswert Standardmarktpreis 5-15% Aufschlag möglich
Versicherungsabwicklung Aufwendige Prüfung Vereinfachte Verifikation
Fälschungssicherheit Physische Prüfung nötig Digital garantiert
Emotionaler Wert Gering Geschichte dokumentiert

Die Achillesferse der Blockchain: Warum die digitale Spur nur so gut ist wie die reale Welt

Bei aller Begeisterung für die Blockchain müssen wir ehrlich bleiben und ihre Grenzen anerkennen. Die Technologie ist kein magischer Schutzschild, der jede Form von Betrug automatisch verhindert. Ihre grösste Schwachstelle liegt an der Schnittstelle zwischen der physischen und der digitalen Welt. Dieses Problem ist bekannt als das „Garbage In, Garbage Out“-Prinzip. Die Blockchain sichert brillant die Daten, die in sie eingegeben werden. Sie kann aber nicht von selbst überprüfen, ob diese Daten der Wahrheit entsprechen. Wenn ein korrupter Akteur an der Quelle falsche Informationen eingibt – zum Beispiel einen Barren aus einer Konfliktmine als „ethisch“ deklariert –, dann wird diese Lüge unveränderlich in der Blockchain zementiert.

Die entscheidende Frage, die wir uns als kritische Beobachter stellen müssen, lautet: „Die Blockchain sichert nur die Daten, die eingegeben werden. Was hindert jemanden daran, einen gescannten, ethisch einwandfreien Goldbarren durch einen identisch aussehenden, aber schmutzigen zu ersetzen?“ Genau hier liegt die Achillesferse des Systems. Die digitale Kette ist nur so stark wie ihr allererstes, physisches Glied. Die Sicherheit des gesamten Systems hängt davon ab, wie manipulationssicher die erste Erfassung an der Quelle ist. Aus diesem Grund arbeiten führende Unternehmen mit Hochdruck an Lösungen, um diese Lücke zu schliessen.

Dazu gehören physische Sicherheitsmerkmale, die weit über einen einfachen QR-Code hinausgehen. Technologien wie einzigartige Lasergravuren, die eine Art materiellen Fingerabdruck erzeugen, oder die Analyse der spezifischen Isotopen-Signatur eines Goldbarrens machen eine 1:1-Fälschung extrem schwierig. Zusätzlich werden versiegelte Behälter mit IoT-Sensoren (Internet of Things) eingesetzt, die jede unautorisierte Öffnung oder Manipulation während des Transports sofort erkennen und einen Alarm in der Blockchain auslösen. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Dezentralisierung. Viele aktuelle Blockchain-Lösungen werden von wenigen grossen Unternehmen kontrolliert. Dies untergräbt das ursprüngliche Versprechen einer verteilten, dezentralen Vertrauensbasis und erfordert ein wachsames Auge auf die Machtkonzentration in diesem neuen Ökosystem.

Physisch oder nur ein Versprechen? Was hinter der Deckung Ihrer Gold-Token steckt

Für viele Skeptiker klingt die Idee von „digitalem Gold“ wie ein Widerspruch in sich. Ist das nicht nur eine weitere Form von Finanzderivaten, losgelöst von der realen Welt? Ein berechtigter Einwand, der direkt zum Kern der Vertrauensfrage führt: die physische Deckung. Ein seriöser, goldgedeckter Token ist kein abstraktes Versprechen. Jeder einzelne digitale Token muss zu 100 % durch eine exakt definierte Menge an physischem Gold gedeckt sein, das in einem hochsicheren, versicherten und regelmässig auditierten Tresor lagert.

Das System funktioniert nur, wenn die Brücke zwischen der digitalen und der physischen Welt absolut stabil ist. Der populärste goldgedeckte Token, Tether Gold (XAUT), dient hier als Fallstudie. Das Vertrauen in XAUT basiert auf mehreren Säulen. Jeder Token ist durch exakt eine Feinunze Gold gedeckt. Dieses Gold lagert in Hochsicherheitstresoren in der Schweiz, einem Land, das für seine politische und wirtschaftliche Stabilität bekannt ist. Die Deckung ist nicht nur ein Versprechen, sondern wird durch monatliche Audits von unabhängigen Prüfern bestätigt, deren Berichte öffentlich einsehbar sind. Tether, der Emittent hinter XAUT, hat sich bereits mit dem US-Dollar-Stablecoin (USDT) als etablierter Akteur im Kryptomarkt bewiesen und bringt dieses Vertrauenskapital in den Goldmarkt ein.

Das entscheidende Merkmal, das ein solches System von einem reinen Papierversprechen unterscheidet, ist die Möglichkeit der physischen Auslieferung. Token-Inhaber haben unter bestimmten Bedingungen das Recht, sich „ihr“ Gold physisch aushändigen zu lassen. Dies stellt sicher, in einen echten, greifbaren Wert zu investieren und nicht nur in eine Zahl auf einem Bildschirm. Es ist diese garantierte 1:1-Deckung und die Option der physischen Einlösung, die den fundamentalen Unterschied zu ungedeckten Finanzprodukten ausmacht und das Vertrauen der Anleger rechtfertigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Moralische Pflicht: Die Entscheidung für nachweislich ethisches Gold ist kein Luxus, sondern eine moralische Verpflichtung, um Ausbeutung und Konflikte nicht länger zu finanzieren.
  • Technologie als Werkzeug: Die Blockchain ist das bisher schlagkräftigste Werkzeug, um eine lückenlose, fälschungssichere Transparenz in der Gold-Lieferkette zu erzwingen.
  • Wertsteigerung durch Wahrheit: Eine garantierte, saubere Provenienz steigert nicht nur den emotionalen Wert, sondern nachweislich auch den finanziellen Wiederverkaufswert Ihres Schmucks oder Anlagegoldes.

Die Geburtsurkunde Ihres Schmucks: Was eine garantierte Provenienz wirklich bedeutet

Was bedeutet es letztlich, eine „garantierte Provenienz“ zu besitzen? Es bedeutet, die vollständige, unveränderliche Geschichte Ihres Wertgegenstandes in den Händen zu halten – von seiner Entstehung bis zum heutigen Tag. Es ist weit mehr als ein traditionelles Zertifikat. Es ist die digitale Geburtsurkunde Ihres Schmucks, ein Dokument, das mit ihm lebt, atmet und seinen Wert über Generationen hinweg sichert und steigert. Diese digitale Chronik verwandelt ein anonymes Produkt in ein Unikat mit einer einzigartigen Identität und Geschichte.

Ein Pionier auf diesem Gebiet ist das Schweizer Luxus-Juwelierhaus Gübelin. Mit seiner „Provenance Proof Blockchain“ (PPB) hat Gübelin einen neuen Standard für die Edelsteinindustrie gesetzt. Das System geht über einfache Einträge hinaus und nutzt eine spezielle Nano-Tagging-Technologie, um Edelsteinen eine Art physische DNA zu geben, die dann mit der Blockchain verknüpft wird. Mit bereits über 4 Millionen registrierten Edelsteinen zeigt Gübelin, dass diese Vision keine Zukunftsmusik, sondern gelebte Realität ist. Der wahre Wert liegt in der Kombination aus Fälschungssicherheit, lückenloser Historie und einfacher digitaler Übertragbarkeit, wie der folgende Vergleich zeigt.

Traditionelle vs. Blockchain-basierte Schmuckzertifikate
Kriterium Traditionelles Zertifikat Blockchain-Zertifikat
Fälschungssicherheit Papier kann gefälscht werden Kryptografisch gesichert
Übertragbarkeit Physische Übergabe nötig Digital übertragbar
Historie Nicht nachvollziehbar Lückenlos dokumentiert
Versicherungsabwicklung Langwierige Prüfung Sofortige Verifikation
Wertsteigerung Standard Durch Geschichte erhöht

Eine garantierte Provenienz bedeutet das Ende des blinden Vertrauens und den Beginn des Zeitalters der verifizierbaren Wahrheit. Sie gibt Ihnen als Besitzer die Macht und die Sicherheit, die Sie verdienen.

Fragen Sie beim nächsten Kauf nicht nur nach einem Zertifikat. Fordern Sie die ganze Geschichte. Fordern Sie den digitalen Beweis. Werden Sie Teil einer Bewegung, die nicht nur den Wert von Gold, sondern auch die Werte unserer Gesellschaft neu definiert.

Häufig gestellte Fragen zu Blockchain-Schwachstellen

Was ist das ‚Garbage In, Garbage Out‘-Problem bei Blockchain?

Wenn fehlerhafte oder manipulierte Daten in die Blockchain eingegeben werden, bleiben diese dauerhaft und unveränderlich gespeichert. Die Blockchain kann nicht zwischen wahren und falschen Eingaben unterscheiden.

Wie wird die physische Sicherheit von Gold gewährleistet?

Durch Lasergravuren, einzigartige Material-Signaturen und IoT-Sensoren in versiegelten Behältern, die Manipulationen sofort melden.

Ist die Blockchain wirklich dezentral?

Viele aktuelle Lösungen werden von wenigen grossen Unternehmen kontrolliert, was das Vertrauensversprechen der Dezentralisierung untergraben kann.

Geschrieben von Lars Richter, Dr. Lars Richter ist ein seit über 15 Jahren auf FinTech und alternative Anlageklassen spezialisierter Wirtschaftsanalyst. Er ist bekannt für seine Fähigkeit, komplexe technologische Innovationen für Privatanleger verständlich zu machen.